Im Dezember 1983 griff Ignace Strasfogel (1901-1994) erstmals wieder zu Bleistift und Notenpapier und beendete eine jahrzehntelange kompositorische Schaffenspause. 1909 in Warschau geboren und nach dem frühen Tod des Vaters 1912 mit seiner Mutter nach Berlin gezogen, machte Stasfogel eine beispiellose Karriere in der Weimarer Republik als musikalisches Wunderkind. Mit dreizehn Jahren war er jüngster ordentlicher Student der Berliner Musikhochschule, studierte bei Franz Schreker Komposition und…
Im Dezember 1983 griff Ignace Strasfogel (1901-1994) erstmals wieder zu Bleistift und Notenpapier und beendete eine jahrzehntelange kompositorische Schaffenspause. 1909 in Warschau geboren und nach dem frühen Tod des Vaters 1912 mit seiner Mutter nach Berlin gezogen, machte Stasfogel eine beispiellose Karriere in der Weimarer Republik als musikalisches Wunderkind. Mit dreizehn Jahren war er jüngster ordentlicher Student der Berliner Musikhochschule, studierte bei Franz Schreker Komposition und bei Leonid Kreuzer Klavier und gewann 1926, siebzehnjährig, den renommierten Mendelssohn-Preis für seine 2. Klaviersonate. Als begehrter Kammermusik- und Liedbegleiter tourte er, noch nicht volljährig, bereits mit Größen wie Joseph Szigeti und Carl Flesch, was ihm nach der Machtübernahme der Nazis die Emigration in die USA erleichterte. Nach Jahrzehnten erfolgreichen Wirkens als Pianist und Dirigent bei den New Yorker Philharmonikern und an der Metropolitan Opera fand er im Alter zur Komposition zurück - inspiriert und animiert auch von Bemühungen von Musikern wie Kolja Lessing, die ab 1933 aus Deutschland ins Exil getriebenen Komponistinnen und Komponisten ins europäische Musikleben zurückzuholen. Die 1984 in New York durch den Komponisten selbst am Klavier uraufgeführten Lieder auf Texte Emily Dickinsons, der bedeutendsten amerikanischen Lyrikerin des 19. Jahrhunderts, zeigen einen Komponisten auf der Höhe kompositorischer Meisterschaft, in die seine jahrzehntelangen Erfahrungen als Pianist, Liedbegleiter und Operndirigent eingeflossen sind. Sie sind aber auch bewegende Zeugnisse nicht nur einer kompositorischen Tradition, die trotz Verfolgung und Vertreibung weiterlebte, sondern auch einer einzigartigen, durch die Erfahrung des Exils ermöglichten transatlantischen Kultursymbiose.
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Im Dezember 1983 griff Ignace Strasfogel (1901-1994) erstmals wieder zu Bleistift und Notenpapier und beendete eine jahrzehntelange kompositorische Schaffenspause. 1909 in Warschau geboren und nach dem frühen Tod des Vaters 1912 mit seiner Mutter nach Berlin gezogen, machte Stasfogel eine beispiellose Karriere in der Weimarer Republik als musikalisches Wunderkind. Mit dreizehn Jahren war er jüngster ordentlicher Student der Berliner Musikhochschule, studierte bei Franz Schreker Komposition und bei Leonid Kreuzer Klavier und gewann 1926, siebzehnjährig, den renommierten Mendelssohn-Preis für seine 2. Klaviersonate. Als begehrter Kammermusik- und Liedbegleiter tourte er, noch nicht volljährig, bereits mit Größen wie Joseph Szigeti und Carl Flesch, was ihm nach der Machtübernahme der Nazis die Emigration in die USA erleichterte. Nach Jahrzehnten erfolgreichen Wirkens als Pianist und Dirigent bei den New Yorker Philharmonikern und an der Metropolitan Opera fand er im Alter zur Komposition zurück - inspiriert und animiert auch von Bemühungen von Musikern wie Kolja Lessing, die ab 1933 aus Deutschland ins Exil getriebenen Komponistinnen und Komponisten ins europäische Musikleben zurückzuholen. Die 1984 in New York durch den Komponisten selbst am Klavier uraufgeführten Lieder auf Texte Emily Dickinsons, der bedeutendsten amerikanischen Lyrikerin des 19. Jahrhunderts, zeigen einen Komponisten auf der Höhe kompositorischer Meisterschaft, in die seine jahrzehntelangen Erfahrungen als Pianist, Liedbegleiter und Operndirigent eingeflossen sind. Sie sind aber auch bewegende Zeugnisse nicht nur einer kompositorischen Tradition, die trotz Verfolgung und Vertreibung weiterlebte, sondern auch einer einzigartigen, durch die Erfahrung des Exils ermöglichten transatlantischen Kultursymbiose.
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